Eine Antwort an Dr. Dean
Martin und ich haben uns sehr gefreut, haben wir doch gestern einen sehr hilfreichen und ausführlichen Kommentar erhalten: Dr. Dean (nicht zu verwechseln mit Mr. Bean), seines Zeichens linksliberaler Blogger, hat sich Gedanken zum Tagging auf blogoscoop gemacht. Seine Befürchtung: Das Konzept geht nicht auf, weil trickreiche Blogger sich der Tags bedienen werden, um in allen Rankings möglichst weit oben zu erscheinen und damit den Blog-Spam zu fördern oder SEO zu betreiben.
Wird das möglich sein?
Wir glauben nicht. Denn jeder Blogger, der sein Blog auf blogoscoop registriert, kann nur eine relativ begrenzte Anzahl von Tags vergeben. Im Moment sind dies genau fünf. Damit schließen wir aus, dass jemand auf allen Hochzeiten mittanzt.
Dr. Dean will aber noch mehr: Er würde aus seinen Rankings gerne gezielt bestimmte Blogs heraushalten. Dieses Anliegen ist für uns ein neuer Gedanke, der unser Konzept vom Ansatz her ein ganzes Stück weiter denkt. Technisch wäre das machbar, wenn auch mit einem gewissen Aufwand. Wir denken mal darüber nach. Zum Start der Beta-Phase werden wir es aber definitiv noch nicht anbieten können.
Und noch eine Idee hat er auf Lager: Wir sollen die Kommentare in eine Bewertung einbinden! Lieber Dr. Dean, an so etwas arbeiten wir schon (auch wenn es noch keiner der Alpha-Tester sehen kann). Der schöne Screencast von Jan Tißler hat es ja ans Licht gebracht, dass wir auch die Kommentare mitzählen.
Wir sind der Meinung, daß gerade für die Blogs im Long Tail die Kommentare ein ganz wesentliches Qualitätskriterium sind. Daraus werden wir etwas machen. Allerdings benötigen wir dafür die Unterstützung vieler Blogger ab dem offiziellen Launch: Denn erst wenn viele Blogs bei blogoscoop mitmachen, erhalten wir rasch das statistisch erforderliche Material, das uns zeigt, dass es die von uns vermutete Indikator-Funktion tatsächlich gibt. Und dann machen wir daraus einen Ranking-Baustein.
Zu guter Letzt wünscht sich Dr. Dean, dass sich die Ranking-Kriterien mischen lassen. Also etwa 60 % für die Page-Impressions und 40 % für die Kommentare. Ich verrate hier nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir das schon auf unserer “Wunschliste” haben! Aber es wird noch etwas dauern und wohl noch nicht mit der Beta-Version verfügbar sein.
Insgesamt könnte es ja vielleicht doch etwas werden mit dem Ranking der linksliberalen Blogs. Ob wir Dr. Dean werden zufrieden stellen können? Auf alle Fälle geben wir uns Mühe…
Die Gefahr, die Dr. Dean anspricht, ist natürlich nicht zu leugnen. Natürlich kann ich als Blogbetreiber immer das Tag “web2.0″ verwenden. Nur: was habe ich davon? Ist es nicht viel zielführender, ein Alleinstellungsmerkmal zu haben und dann nicht Blog 197 zum Thema Web2.0, sondern das einzige Blog zum Thema XY zu sein?
Als ich hier die fünf Tags eingegeben habe, stand ich genau vor der Frage, ob ich nun Schlagworte verwenden soll, um möglichst viel Übereinstimmung mit anderen Blogs zu erzielen oder ob ich mich auf meine Kernbereiche konzentriere. Ich habe mich für letzteres entschieden und so ist ein Tag nicht “Marketing”, sondern “Kulturmarketing” geworden.
Aber die Idee, dass man die Blogs selbst verschlagwortet, wie Dr. Dean vorschlägt, finde ich gut. Die Frage ist nur, ob ich das mit Social Bookmarks oder der Strukturierung meines RSS-Readers nicht eh schon machen kann.
Ich schlage mal noch zwei Kriterien vor, die meiner Meinung nach durchaus sinnvoll (noch) mehr Aufschluss über die angemeldeten Blogs geben könnten, ohne zu wissen ob sich das technisch realisieren lässt:
-Länge der Artikel/Kommentare. Ich bin nicht mher auf der Suche nach Blogs, die lustig ein bis drei Sätze fabrizieren und ein Video dazu posten, sondern nach Artikeln/Blogs die sich grundlegender mit ihren Themen auseinandersetzen. Zudem ist es durchaus interessant, wie intensiv auf dem Blog dikutiert werden. 100 Ich auch, too, weiter so Kommentare will ich nicht lesen, einen langen und wirklich ergänzenden Kommentar aber wohl schon. Das gäbe mir beides Aufschluss darüber, ob ich diesen Blog besuchen sollte, oder eben nicht.
-Verweildauer. Wie lange bleiben die Besucher durchschnittlich auf dem Blog und lesen, schauen, kommentieren. Sagt wiederum nichts allein über die Qualität aus, ist aber auch ein wichtiges Kriterium.
Ich wünsche euch viel Glück weiterhin, scheint mir auf einem guten Weg zu sein und freue mich auf den ersten Blicke!
@Christian: Du hast Recht. Wenn beispielsweise alle Blogs sich um das Schlagwort “Web 2.0″ gruppieren würden, bräuchten wir das ganze Tagging gar nicht. Aber das andere Extrem macht mir eher Sorgen: Ziehen die Blogs mit ihren Tags zu sehr in die Nische, sitzt im Zweifel jeder auf Platz 1 eines Rankings ohne weitere Teilnehmer. Wir werden da noch etwas implementieren, das die rechte Balance zwischen gängigen und sehr speziellen Tags finden hilft.
@soeren onez: Du sprichst zwei wichtige Punkte an! Die Länge der Artikel ist definitiv ein Qualitätskriterium. Auf Rivva kann man ja schön sehen, dass sich immer wieder Blogger mit teils recht dünnen Artikeln an ein Top-Thema dranhängen, nur um auch unter den Links der Schlagzeilen zu erscheinen. Wir merken uns das mal.
Die Frage der Verweildauer kann ich auf Anhieb gar nicht beantworten. Das muss ich mal an Martin weiterreichen….
@soeren onez : Erstmal vielen Dank für die Anregungen.
- zum Thema “Länge der Artikel”: So verlockend es wäre dazu Statistiken anzubieten, so problematisch ist es leider auch. An die Texte der Artikel kommen wir über den RSS-Feed zum Blog und um Probleme mit duplicate content zu vermeiden geben wir auch nur einen Teil der Artikel aus. Das eigentliche Problem ist aber, dass viele Blogger nur Teile der Artikel oder nur die Überschriften per RSS-Feed veröffentlichen, so das ein fairer Vergleich schwierig wird. Ich werde den Vorschlag aber im Hinterkopf behalten, ggf. bieten wir es auch einfach optional in der Übersicht zum jeweiligen Blog an.
- zur Verweildauer: Diese Auswertung bieten ja einige Analyse-Tools an und steht auch schon auf unserer Wunschliste für Statistiken, genau wie z.B. Suchmaschinen-Auswertungen und vieles mehr. Auch hier gilt: werden wir versuchen, es wird aber nicht gleich im ersten Schritt verfügbar sein.
@ Matthias: Ich glaube, das regelt sich von alleine. Jemand, der nur Schlagworte wählt, mit denen er alleine dasteht, hat ja kaum ein Interesse an Rankings.
Ich selbst habe ja auch mit “Kommunikation” und “Projektmanagement” zwei Tags gewählt, die ich nicht alleine im Internet vertrete.
Es ist also nur eine Frage der Zeit.
bei der verschlagwortung sehe ich auch nicht so die probleme, das wird die schwarmintelligenz “deutsche blogosphäre” schon von allein lösen.
das “web 2.0″-extrem wird sich dadurch lösen, dass der millionste blogger zu diesem thema einfach nicht mehr was vom kuchen abbekommt und missmutig sich was neues überlegt. das schlagwort wird verrufen und nur die stärksten werden sich daran herantrauen.
zu viele nischen: hey, das ist doch überhaupt kein problem. erstens sind wir alle individuen und haben ein recht auf gewisse freiheiten, und zweitens wird auch hier die langeweile aufkommen, wenn gar niemand sich dazugesellen will. bevor jemand an einsamkeit eingeht, sucht blogger sich einen freund.
die deskriptor-klüngel: ja, klar, auch das wird passieren - “web2.0″, “web 2.0″, “web zwo null”, … usw. usf.
aber auch hier werden die rankingfetischisten gar keine freude haben, denn die intelligente masse wird es auch hier wieder regeln. keine sorge. nur eine handvoll begriffe werden sich etablieren, der rest wird versauern.
vielleicht sollte als hilfe bei der tag-auswahl eine art qualitäts- und leistungsindikator stehen. sprich: wenn ich mir ein tag aussuche, sehe ich ob und wie gut dieses genutzt wird. ich kann dann entscheiden, ob ich es dann nehme oder eine alternative wähle. dieser indikator sollte natürlich auch danach abrufbar bleiben, so dass ich ggf. später auf andere tags ausweichen kann, wenn ich mit der jetzigen wahl nicht glücklich werde.
achja, ich würde beim betatest keinen alleinigen rückschluss auf die taggingmaschinerie machen, uU braucht es nämlich eine gewisse zeit, bis sich das einpegelt.
naja, ihr werdet das schon machen!
@asaaki: Danke für die ausführliche Darlegung Deiner Sicht. Wir sehen das jetzt auch gelassener. Die Blogger wollen ja in den Listen erscheinen und werden deshalb schon drauf achten, wie die “Mehrheit” die Tags verwendet. Es kann ja jeder seine Tags jederzeit neu justieren - man ist da auf blogoscoop völlig frei.