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Bahnsteigkarte gefällig?

veröffentlicht in Allgemein, Wettbewerb von Matthias am 14. Mrz. 2008

Die Zeiten der Bahnsteigkarten sind lange vorbei. Für Blogger in Deutschland könnte aber etwas Ähnliches bald wieder eingeführt werden. Benedikt Köhler (Viralmythen) vertritt nämlich die Auffassung, wir bräuchten so etwas wie eine “Arbeitsgemeinschaft Blog- und Communityforschung” und vermisst grundlegende Informationen darüber, wie groß die deutschsprachige Blogosphäre eigentlich ist.

Auf uns wirkt das ein bisschen typisch deutsch, wo alles genau vermessen und ordentlich registriert wird. So wie die Bahnsteigkarte eben. Gewiss: An seiner Kritik ist schon was dran. Es gibt sehr viele Blogs und wie viele Leser sie genau haben, weiß keiner. Ebenso unbekannt ist, wer genau die Leser sind, welches Alter und welchen Bildungsgrad sie haben und wie sich das alles im Zeitablauf ändert. David Nelles (ethority blog) schließt sich dem an und folgert: “Der Forschungsbedarf ist nicht zu übersehen”.

Wirklich?

Der Wunsch nach Transparenz und Klarheit über die neuen medialen Verhältnisse ist verständlich. Aber er ist vermutlich illusorisch. In Zeiten von Meme-Trackern, Aggregatoren und Feed-Readern lässt sich kaum mehr eindeutig feststellen, wer was liest. Und die Communities werden dank Schnittstellen und Open-Initiativen tendenziell löchrig wie ein Schweizer Käse. Was gut für die User ist, muss ein Alptraum für die Forscher sein.

Vielleicht sollte man an die neuen Medien des Web 2.0 einfach auch nicht mit den Vorstellungen und Konzepten der alten Massenmedien herantreten. Dann braucht es auch keine Bahnsteigkarten mehr.

 

2 Kommentare zu 'Bahnsteigkarte gefällig?'

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  1. Htwo sagte, am 14. 03. 2008

    Man muss von der Vorstellung, dass man etwas im Internet genau vermessen kann loskommen. Nur weil es theoretisch so einfach wäre, ist ja schon alles im Computer, kommt im Endeffekt ähnliches raus, wie bei den alten Medien. Mir ist keine Untersuchung bekannt, bei der exakt heraus gefunden wurde wie viele Leute welche Zeitung lesen und welchen Bildungsstand sie haben. Es gibt Auflagezahlen, doch die sagen mir noch lange nicht ob die Zeitung tatsächlich so oft oder sogar noch viel öfter gelesen wird. Welche Artikel werden gelesen, intensiv oder nur überflogen? Solche Dinge kann man mit Experimenten herausfinden, aber das gibt nie exakte Zahlen. Sozialwissenschaften sind nicht genau. Es gibt nur Annäherungen und Wahrscheinlichkeiten und das kann man bei Blogs genauso machen. Teilweise braucht man andere Methoden aber sehr groß ist der Unterschied nicht.

    Und nun lese ich mir noch den Artikel durch, nicht dass ich etwas ganz falsch verstehe…

  2. Matthias sagte, am 14. 03. 2008

    Du liegst schon richtig, Luca. Bei den Massenmedien ist es natürlich einfacher wenigstens näherungsweise Daten zu erheben, da deren Anzahl überschaubar ist und man sich deshalb in den Verbänden auch über Messgrößen und Kennzahlen einigen konnte.

    Bei den Blogs dagegen macht der Long Tail sicher sehr große Probleme. Bei den Communities (Xing, studiVZ…) fehlt die Vergleichbarkeit ebenso, da jeder nur das publiziert, was ihn gerade gut aussehen lässt. Da werden selbst Wissenschaftler keine Chance haben, an belastbare und transparenz-schaffende Zahlen ran zu kommen.

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