Alles gratis im Web? Auch blogoscoop?
Das ist mal ein Thema, wie es nicht passender hätte kommen können: Die Frage nämlich, ob im Internet alles zwangsläufig kostenlos sein muss und wie Geschäftsmodelle in einer solchen “Gratis-Kultur” überhaupt aussehen können. Hank Williams (Why does everything suck?) der die aktuelle Debatten angestoßen hat, sieht die Schuld bei den Venture Capital (VC) Firmen. Denn diesen sei es egal ob und wie ein Startup später mal Geld verdienen wolle, Hauptsache es lässt sich in nicht zu ferner Zukunft (teuer) weiterverkaufen.
Dem gibt Andreas Göldi (Beobachtungen zur Medienkonvergenz) Recht und streut noch Salz in die Wunde mit der Feststellung, dass in einer solchen Kultur so etwas wie ein Mittelstand gar nicht entstehen könne: Das Gratis-Prinzip arbeite den großen Konzernen (Google, Microsoft, Amazon…) zu, führe sonst aber nicht zur Bildung von Strukturen mit auskömmlichen Margen. Martin Weigert (zweinull.cc) schließt sich an und erwartet am Ende eine Marktbereinigung, die auch bei den Usern lange Gesichter hinterlassen könne. Denn wo heute noch üppige Auswahl herrscht, bleibt am Ende vielleicht nur das dürre Angebot der (wenigen) Großen.
Wie sieht das durch die Brille von blogoscoop aus?
Ganz klar ist blogoscoop so ausgelegt, dass Blogger den Service kostenlos nutzen können. Alles Andere wäre eine reine Illusion, denn unser gesamtes Wettbewerbsumfeld ist natürlich gratis (wer hätte es gedacht!). Immerhin haben wir die Hoffnung, mit (dezenter) Werbung einen Teil der laufenden Kosten decken zu können.
Als zweiter Faktor wäre da die Hoffnung zu nennen, mit einem gelungenen Webservice den eigenen Bekanntheitsgrad und die Reputation steigern zu können, was vielleicht zu (lukrativen?) Geschäften bzw. Aufträgen an anderer Stelle führen wird. Auf dieser Welle segeln etliche Anbieter (wir nennen jetzt keine Namen) und das nicht nur in Deutschland.
Drittens steckt hinter blogoscoop aber noch eine sehr spezielle, experimentell angelegte Überlegung. Wir glauben daran, dass sich mit der Datensammlung, die sich auf der Basis von blogoscoop ergeben wird, früher oder später Geld verdienen lässt. Dabei zielen wir nicht darauf ab, den einzelnen User auszuforschen (Robert Basic hat Negativbeispiele). Mit blogoscoop wird es kein Behavioral Targeting geben! Vielmehr denken wir, dass aggregierte Daten etwa zur Entwicklung des Leseverhaltens oder das frühzeitige Aufspüren von Blogtrends (an ihrem Beginn, also im Long Tail) für viele interessant sein könnte. Die Blogger auf blogoscoop erhalten diese Daten alle kostenlos, müssen sich diese aber in ihrem Profil individuell selbst einstellen.
Unternehmen haben dazu vielleicht nicht die Zeit oder Geduld und werden möglicherweise für Trend-Reports gerne Geld ausgeben. Das Trennkriterium sehen wir also im Faktor Zeit: Der Blogger bekommt mit blogoscoop ein Benchmarking- und Recherche-Tool an die Hand, in das er allerdings etwas Zeit investieren muss. Wer sich diese Mühe nicht selbst machen will, mag dies uns überlassen, muss aber dann dafür bezahlen. Ob die Rechnung aufgehen wird?
Ganz unerwähnt soll am Ende dieses Artikels der Traum vom Venture Capital nicht bleiben. Denn aus der Sicht des Gründers hat dieses Geld schon einen großen Reiz: Man kann einige Zeit an seinem Traum arbeiten und hat sein (mehr oder weniger gutes) Auskommen. Wie der Exit aussehen wird, kann bei einem Horizont von 2 bis 5 Jahren in einer sich sehr schnell drehenden Branche da fast egal sein. Venture Capital wird so (schnell) zum Ziel - und nicht zum Weg…
[...] Wenn Blogoscoop in diese Richtung läuft, ist das imho eine Totgeburt. Auch wenn man in einem frischen Blogposting betont, dass man sich mit Marktforschung finanzieren möchte. Zunächst einleuchtend, aber [...]
Der Link “Blogger einladen” ist nicht nur kostenlos sondern auch umsonst. Wieso nehmt ihr den eigentlich nicht raus, solange er nicht funktioniert?
SCNR
Stefan
@Stefan: Du hast recht mit Deiner Kritik und wir bitten dafür um Entschuldigung. Zumindest hätten wir mit einem kleinen Text kenntlich machen müssen, dass die Funktion noch nicht “scharf gestellt” war.
Wir werden das jetzt anders machen - wir nehmen sie nicht raus, sondern aktivieren sie mit dem aktuellen Release an diesem Wochenende.