Verlinkungs- bzw. Klimawandel der Blogosphäre?
Bernd Röthlingshöfer stellt fest, die deutschen Blogs befänden sich im Sinkflug, weil sie ihr “wichtigstes Gut”, die Links (Verlinkungen) verlieren. Die Zahlen stimmen, da kann man Bernd nicht widersprechen. Und dass Links etwas essentiell Wichtiges für Blogs sind (und sie von anderen Medien unterscheidet), ist auch korrekt. Woher kommt nun aber der Sinkflug?
Robert Basic listet mehre mögliche Gründe auf, u. a. einen “Typenwechsel”, wonach ein neuer Typ jüngerer Blogger möglicherweise nicht mehr so vernetzungsaffin sei. Dieser Kreis “jüngerer Blogger” dürfte unserer Auffassung nach auch um einige der neueren Corporate Blogs ergänzt werden, die ebenfalls wenig bis gar nicht verlinken. Thomas Fruetel wiederum stellt fest, dass die vielen professionell betriebenen amerikanischen Tech-Blogs meist schneller und besser informiert seien als deutsche Hobby-Blogger, so dass viele Links eben in die USA gingen.
Eine sehr plausible Erklärung liefert auch Benedikt Köhler in den Kommentaren bei Robert Basic: Die Blogosphäre wächst, sowohl was die Zahl der Blogs betrifft, als auch ihre thematische Breite. Folglich gehen viele Links einfach in ihr thematisches Umfeld und nicht mehr unbedingt in die Top 100 Blogs (eigentlich eine gesunde Entwicklung!).
Was sagt das im Ganzen aus?
Die in den Deutschen Blogcharts gelisteten Blogs sind leider ein nur mäßiger Indikator für das Klima der Blogosphäre: Denn was an der Spitze passiert, ist nicht zwingend charakteristisch für den Gesamtbestand. Und so muss der “Sinkflug” nicht unbedingt negativ interpretiert werden.
Mehr Licht ins Dunkel wird in Zukunft blogoscoop bringen. Denn wir registrieren nicht nur die Technorati-Links, sondern auch den Traffic (sofern die Blogger den Counter bei sich einbauen) und zählen zudem die Zahl der Kommentare. Und das nicht nur für ein paar Hundert Top-Blogs, sondern explizit für den Long Tail.
Vorläufig können aber auch wir nicht viel mehr als Vermutungen beisteuern. Oder ein kleines Detail vielleicht doch: Im Ranking auf blogoscoop behauptet sich das Google Watch Blog seit längerem schon auf dem ersten Platz, noch vor Robert Basic - gemessen an den Seitenaufrufen der letzten 30 Tage (revolvierend). Wer hätte das gedacht? Dafür schlägt Robert seinen “Gegner” um Längen, wenn es um die hier thematisierten Links geht. Es kommt also immer darauf an, welche Statistik man gerade betrachtet…
Blogging 1.0 oder 2.0?
Betreibt Louis Gray Haarspalterei? Er unterscheidet zwischen Blogging 2.0 und Blogging 1.0. Die “Guten” sind diejenigen, die nicht nur Bloggen, sondern auch Twitter und friendfeed nutzen. Also immer auf der Höhe der Zeit sind. Alle anderen sind wohl nur noch Blogger zweiter Klasse?
Uns erstaunt die kühle Berechnung, mit der hier differenziert wird. Und wie toll man es allenthalben findet, wenn man “noise” produzieren kann. Robert Scoble bezeichnet sich selbst ganz offen als “noise junkie“. Da muss schon die Frage erlaubt sein, ob die kommerzielle Blogger-Elite Amerikas nicht dabei ist, etwas die Bodenhaftung zu verlieren. Die Kritik von Umair Haque jedenfalls lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.
Und damit wir nicht missverstanden werden: Auch wir finden Twitter (Martin) und friendfeed (Matthias) gut. Aber wir finden auch, dass man deshalb keinen Keil in die Blogosphäre treiben sollte. Auf blogoscoop jedenfalls tun wir das nicht. Uns sind alle Blogger gleich willkommen.
Ein neuer Server und Platz für Banner
Wir haben einen neuen Server! Endlich ist es soweit, der alte Test-Server für blogoscoop wird in der Nacht von Montag auf Dienstag erlöst. Damit können wir einem großen Kritikpunkt begegnen: blogoscoop wird deutlich schneller werden. Neben der besseren Hardware haben wir in der letzten Woche auch eine zusätzliche Ebene zu Zwischenspeicherung “eingezogen”, um den Seitenaufbau zu beschleunigen.
Achtung: Durch die Umstellung könnte es sein, dass die blogoscoop-Website zeitweise nicht zu erreichen ist. Sollte www.blogoscoop.net/alpha nicht funktionieren, versucht bitte 212.227.97.134/alpha - spätestens gegen Dienstag-Abend sollte der neue Server von überall über die Domain verfügbar sein.
Neu ist in der aktuellen Version von blogoscoop auch eine Spalte mit Bannern auf der rechten Seite. Dafür haben wir uns eine besondere Aktion ausgedacht: Wir wollen in den ersten Monaten diese Fläche kostenlos an Startups bzw. junge Unternehmen vergeben. Einzige Bedingung: Sie müssen ein Blog haben und sich damit auf blogoscoop registrieren.
Den Anfang machen Voland & Quist, ein junger Verlag mit Doppelsitz in Leipzig und Dresden (je einer der beiden Gründer ist dort jeweils anzutreffen) sowie BabyRocker, die fantasievollen Bodies für Babies aus Berlin. Der Heimatliebe und auch der Aktualität wegen haben wir auch das Barcamp Bodensee reingenommen. Ein Startup aus Bad Saulgau bastelt gerade an einem Banner und folgt in den nächsten Tagen…
Wer also auch kostenlos auf blogoscoop werben möchte, kann sich gerne bei uns melden. Die Aktion gilt jetzt schon und läuft natürlich erst recht in der öffentlichen Beta-Phase weiter.
Alexa ändert sein Messverfahren, blogoscoop (natürlich) nicht
Alexa hat nach eigenen Aussagen sein Traffic-Messverfahren verbessert. Künftig werden nicht mehr nur die mit der Toolbar generierten Daten ausgewertet, sondern auch “weitere Quellen” (more sources) herangezogen, ohne dass diese jedoch näher erläutert werden.
Auf TechCrunch wird der Vorgang nur kurz, dafür aber mit kritischem Unterton erwähnt, während man auf ReadWriteWeb etwas mehr erfährt. Hierzulande hat sich zuletzt Tobias (WhatsYourPlace Blog) ausführlicher mit Alexa befasst (noch vor deren Umstellung auf das neue Verfahren).
Bei blogoscoop waren wir von Beginn an skeptisch, ob ein Dienst wie Alexa den Traffic von Blogs valide messen kann. Denn neben einigen wenigen sehr gut besuchten Blogs spielt in der Blogosphäre die Musik im Long Tail. Und da werden die Besucherzahlen schnell sehr dünn. Ob dafür der Stichprobencharakter der Toolbar (egal ob von Alexa oder einem Wettbewerber) ausreicht?
Bei Blogs kommt hinzu, dass etliche Leser die Artikel über Feed-Reader beziehen und so in den normalen Statistiken zum Traffic einer Seite gar nicht auftauchen. Dieses “Problem” wäre aber zu lösen und bei blogoscoop haben wir dafür auch etwas in der Schublade (= eine Idee, aber noch keine fertige Lösung).
Kritischer wird es mit Erfindungen wie BlogIt, das diese Woche von Six Apart vorgestellt wurde. Nachdem man im Prinzip bisher schon Blogartikel seiner Freunde innerhalb von Facebook lesen konnte (ohne dazu Facebook zu verlassen und das betreffende Blog zu öffnen), kann man mit BlogIt jetzt auch sein eigenes Blog aus Facebook heraus managen (und etwa Artikel schreiben). Blogs werden so allmählich in Social Networks hinein gezogen.
Zu hoffen bleibt, dass der auf Social Networks generierte Traffic eines Blogs irgendwie messbar bleibt. Ob man das bei Alexa im Auge hat und die Statistik-Abteilung von Facebook zu den “weiteren Quellen” zählt? Ich denke eher nicht…
blogoscoop auf catalogr
Igor hat uns in seinen netten Katalog aufgenommen. Dort ist jeder Dienst einer Rubrik zugeordnet und dort mit seinem Logo dargestellt. blogoscoop steht gut sichtbar in der Kategorie “Blog”. Für die Kategorie “Events” würden wir ihm noch die venteria empfehlen, von der auch blogoscoop einige webzwonullige Termine bezieht (und auf der Übersichtsseite anzeigt). Uns gefällt catalogr gut, denn es ist mal eine andere Art, die Dinge darzustellen. Hoffentlich kommen noch viele weitere Adressen dazu.
Alles gratis im Web? Auch blogoscoop?
Das ist mal ein Thema, wie es nicht passender hätte kommen können: Die Frage nämlich, ob im Internet alles zwangsläufig kostenlos sein muss und wie Geschäftsmodelle in einer solchen “Gratis-Kultur” überhaupt aussehen können. Hank Williams (Why does everything suck?) der die aktuelle Debatten angestoßen hat, sieht die Schuld bei den Venture Capital (VC) Firmen. Denn diesen sei es egal ob und wie ein Startup später mal Geld verdienen wolle, Hauptsache es lässt sich in nicht zu ferner Zukunft (teuer) weiterverkaufen.
Dem gibt Andreas Göldi (Beobachtungen zur Medienkonvergenz) Recht und streut noch Salz in die Wunde mit der Feststellung, dass in einer solchen Kultur so etwas wie ein Mittelstand gar nicht entstehen könne: Das Gratis-Prinzip arbeite den großen Konzernen (Google, Microsoft, Amazon…) zu, führe sonst aber nicht zur Bildung von Strukturen mit auskömmlichen Margen. Martin Weigert (zweinull.cc) schließt sich an und erwartet am Ende eine Marktbereinigung, die auch bei den Usern lange Gesichter hinterlassen könne. Denn wo heute noch üppige Auswahl herrscht, bleibt am Ende vielleicht nur das dürre Angebot der (wenigen) Großen.
Wie sieht das durch die Brille von blogoscoop aus?
Ganz klar ist blogoscoop so ausgelegt, dass Blogger den Service kostenlos nutzen können. Alles Andere wäre eine reine Illusion, denn unser gesamtes Wettbewerbsumfeld ist natürlich gratis (wer hätte es gedacht!). Immerhin haben wir die Hoffnung, mit (dezenter) Werbung einen Teil der laufenden Kosten decken zu können.
Als zweiter Faktor wäre da die Hoffnung zu nennen, mit einem gelungenen Webservice den eigenen Bekanntheitsgrad und die Reputation steigern zu können, was vielleicht zu (lukrativen?) Geschäften bzw. Aufträgen an anderer Stelle führen wird. Auf dieser Welle segeln etliche Anbieter (wir nennen jetzt keine Namen) und das nicht nur in Deutschland.
Drittens steckt hinter blogoscoop aber noch eine sehr spezielle, experimentell angelegte Überlegung. Wir glauben daran, dass sich mit der Datensammlung, die sich auf der Basis von blogoscoop ergeben wird, früher oder später Geld verdienen lässt. Dabei zielen wir nicht darauf ab, den einzelnen User auszuforschen (Robert Basic hat Negativbeispiele). Mit blogoscoop wird es kein Behavioral Targeting geben! Vielmehr denken wir, dass aggregierte Daten etwa zur Entwicklung des Leseverhaltens oder das frühzeitige Aufspüren von Blogtrends (an ihrem Beginn, also im Long Tail) für viele interessant sein könnte. Die Blogger auf blogoscoop erhalten diese Daten alle kostenlos, müssen sich diese aber in ihrem Profil individuell selbst einstellen.
Unternehmen haben dazu vielleicht nicht die Zeit oder Geduld und werden möglicherweise für Trend-Reports gerne Geld ausgeben. Das Trennkriterium sehen wir also im Faktor Zeit: Der Blogger bekommt mit blogoscoop ein Benchmarking- und Recherche-Tool an die Hand, in das er allerdings etwas Zeit investieren muss. Wer sich diese Mühe nicht selbst machen will, mag dies uns überlassen, muss aber dann dafür bezahlen. Ob die Rechnung aufgehen wird?
Ganz unerwähnt soll am Ende dieses Artikels der Traum vom Venture Capital nicht bleiben. Denn aus der Sicht des Gründers hat dieses Geld schon einen großen Reiz: Man kann einige Zeit an seinem Traum arbeiten und hat sein (mehr oder weniger gutes) Auskommen. Wie der Exit aussehen wird, kann bei einem Horizont von 2 bis 5 Jahren in einer sich sehr schnell drehenden Branche da fast egal sein. Venture Capital wird so (schnell) zum Ziel - und nicht zum Weg…
Alianzo: Blogcharts aus Spanien
Hätte ich nicht auf dem Fischmarkt diesen Artikel zur Next Web Conference in Amsterdam gelesen und wäre ich nicht auf deren Seite den Links zu den präsentierenden Startups gefolgt, hätte ich kaum Twingly (eine Blogsuchmaschine aus Schweden) entdeckt und den Artikel dazu auf Techcrunch gefunden.
Dort wird in den Kommentaren Blogdimension (auch eine neue Blogsuchmaschine, aber aus Frankreich) erwähnt, das in seinem Blog wiederum über eine Allianz mit Alianzo schreibt. Und Alianzo ist so etwas wie das spanische blogoscoop?
Nun, es kommt blogoscoop schon ziemlich nahe, wenn auch nicht ganz (zum Glück!): Es gibt ein Verzeichnis mit inzwischen über 15.000 Blogs (aus aller Welt), eine Community und natürlich auch Blogcharts: Die deutschen sehen so aus und werden vom Bildblog angeführt (Robert Basic erst an zweiter Stelle). Die Charts errechnen sich nach einer eigenen Formel, in die diverse Faktoren einfließen (Technorati-Links, Alexa-Traffic…).
Es gibt sogar so etwas wie ein Ranking nach Tags. Allerdings ist dabei etwas störend, dass man nicht näher eingrenzen und sich nur Blogs einer Sprache (oder eines Landes) anzeigen lassen kann. Ein wesentlicher Unterschied zu blogoscoop liegt wohl auch darin, dass Alianzo von sich aus Blogs aufnimmt, kategorisiert und mit Tags versieht (man kann aber auch sein Blog vorschlagen). Auf blogoscoop dagegen registrieren sich die Blogger selbst und nehmen auch das Tagging strikt selbst vor. Zudem verzichtet blogoscoop auf Kategorien, weil wir die Tags für ausreichend halten.
Wie ist Alianzo einzuschätzen?
Aus deutscher Sicht scheinen 15.000 Blogs in einem Verzeichnis viel zu sein, sind es aber im internationalen Vergleich nicht: Das britische Verzeichnis Blogged.com beispielsweise arbeitet vom Start weg (Februar 2008) mit gut 200.000 Blogs (voreingestellt, also ähnlich wie auf Alianzo). Für Alianzo spricht allerdings wieder, dass die Community annähernd gleich groß ist wie die Zahl der gelisteten Blogs. In Spanien ist der Dienst also recht populär.
Frappierend in diesem Zusammenhang ist eher, dass Alianzo in Deutschland praktisch unbekannt ist. Wir wissen hier so gut wie nichts über erfolgreiche Networks oder Startups in Italien, Frankreich oder Spanien. Gut immerhin, dass man über den Fischmarkt auf Konferenzen in Amsterdam kommt, wo sich schwedische Startups präsentieren, die in Frankreich einen Konkurrenten haben, der sich mit den Spaniern verbündet. So erfahren wir, wo es so etwas wie Wettbewerber für blogoscoop gibt…
Wartezeiten wie früher bei Mercedes…
…gibt es gerade für die Interessenten an unserer Alpha-Phase. Wir bitten um Nachsicht und Entschuldigung. Seitdem wir auf der Website von blogoscoop ein Formular eingestellt haben, melden sich jeden Tag bis zu 10 Blogger! Das freut uns natürlich, führt aber zwischendurch auch mal zu längeren Wartezeiten, weil wir diese Benutzer zusammen mit anderen Testern noch manuell prüfen und eintragen.
Ganz besonders freuen wir uns über die ersten Blogger aus der Schweiz und aus Österreich: Bruno aus Bern und Luca aus Wien waren die ersten, die ihr “Fähnchen” auf unserer Google-Map gehisst haben. Danke auch an dieser Stelle an alle, die uns mit konstruktiver Kritik begleiten oder uns auf Fehler hinweisen. Marcus hat ein kleines Banner in Gestalt unseres Logos vorgeschlagen, das wir gerne aufgenommen haben (jetzt unter “Tools” zu finden), während Denis uns auf ein Fehlen des weißen Hintergrundes aufmerksam machte.
Mit dem letzten Update haben wir ein paar Probleme bei der Tag Cloud und den Rankings beseitigt sowie neue Rankings eingeführt. Das Speichern von Blogs ist auf vielfache Anregung vereinfacht worden und vor allem können Benutzer jetzt angelegte Blogs auch wieder mit allen zugehörigen Daten löschen! Nebenbei haben wir das Aussehen weiter auf Lesbarkeit optimiert und ein paar Texte überarbeitet.
Tags und Tagging - die hohe Kunst im Web 2.0
Über das Blog von Steffen Büffel sind wir auf eine Umfrage aufmerksam geworden, die er gerade zusammen mit dem dem Institut für Wissensmedien in Tübingen durchführt: “Good Tags, Bad Tags“. Die Teilnahme empfehlen wir schon allein deshalb, weil auch blogoscoop ganz wesentlich auf das Tagging setzt.
Dazu können wir an dieser Stelle sagen: Mit schon fast 120 registrierten Blogs wird die Tag Cloud auf blogoscoop immer größer und jetzt kommen langsam auch die ersten Häufungen zustande die zeigen, wie blogoscoop einmal funktionieren soll. Ein Beispiel ist das Tag “Musik”, zu dem sich immerhin schon 8 Blogs finden, die man sich in verschiedenen Rankings anzeigen lassen kann. Es geht also in die richtige Richtung!
Andererseits erleben wir auch das (typische) Phänomen, dass zum gleichen Begriff verschiedene Schreibweisen auftauchen: So finden wir das Tag “startup” einmal und das Tag “start-ups” dreimal. Daran könnte man gleich noch die Frage anschließen, ob die korrekte Schreibweise nicht eigentlich “startups” wäre (also ohne Bindestrich).
In diesem Sinne sind wir schon sehr gespannt darauf, ob die “blogoscooper” in solchen Fällen umtaggen werden und sich Einzelne oder Minderheiten einer sich bildenden Mehrheitsmeinung anschließen werden. Wir werden jedenfalls nicht redaktionell eingreifen, sondern vertrauen auf die “Wisdom of the crouds“. Oder denkt Ihr, dass wir uns da stärker einmischen müssen?
Bahnsteigkarte gefällig?
Die Zeiten der Bahnsteigkarten sind lange vorbei. Für Blogger in Deutschland könnte aber etwas Ähnliches bald wieder eingeführt werden. Benedikt Köhler (Viralmythen) vertritt nämlich die Auffassung, wir bräuchten so etwas wie eine “Arbeitsgemeinschaft Blog- und Communityforschung” und vermisst grundlegende Informationen darüber, wie groß die deutschsprachige Blogosphäre eigentlich ist.
Auf uns wirkt das ein bisschen typisch deutsch, wo alles genau vermessen und ordentlich registriert wird. So wie die Bahnsteigkarte eben. Gewiss: An seiner Kritik ist schon was dran. Es gibt sehr viele Blogs und wie viele Leser sie genau haben, weiß keiner. Ebenso unbekannt ist, wer genau die Leser sind, welches Alter und welchen Bildungsgrad sie haben und wie sich das alles im Zeitablauf ändert. David Nelles (ethority blog) schließt sich dem an und folgert: “Der Forschungsbedarf ist nicht zu übersehen”.
Wirklich?
Der Wunsch nach Transparenz und Klarheit über die neuen medialen Verhältnisse ist verständlich. Aber er ist vermutlich illusorisch. In Zeiten von Meme-Trackern, Aggregatoren und Feed-Readern lässt sich kaum mehr eindeutig feststellen, wer was liest. Und die Communities werden dank Schnittstellen und Open-Initiativen tendenziell löchrig wie ein Schweizer Käse. Was gut für die User ist, muss ein Alptraum für die Forscher sein.
Vielleicht sollte man an die neuen Medien des Web 2.0 einfach auch nicht mit den Vorstellungen und Konzepten der alten Massenmedien herantreten. Dann braucht es auch keine Bahnsteigkarten mehr.